Stimmung: Aggressiv!
Musik: Placebo – Follow the Cops back home

Thema der heutigen Sitzung: Was ist nur aus uns geworden!?

Eine sehr interessante Frage, wenn man es unbewusst schafft den Quelltext zu öffnen, ohne auch nur die kleinste Absicht in diese Richtung gehend gehabt zu haben.

Wir. Was ist das? Wir sind eine Generation von jungen Leuten, die zu wenig schlafen und trotzdem nicht so viel Spaß hat, wie man es in unserem Alter haben sollte. WIR, das sind die Internetkinder, die verwöhnten Blagen reicher Leute, die nicht mehr in der Lage sind eigenständig zu denken.

MTV und Coca Cola haben uns fest im Griff. Wo sind die Ideale hin? Unsere Eltern haben sich gegen Kriege eingesetzt, Häuser besetzt, die alte Welt auf den Kopf gestellt und nun? Gegen was soll man sich wehren, wenn die „Alten“ sich schon gegen alles gewehrt haben. Zurück zum Spießbürgertum?

„Advertisements have them chasing cars and clothes, working jobs they hate so they can buy shit they don’t need. We are the middle children of history, with no purpose or place. We have no great war, or great depression. The great war is a spiritual war. The great depression is our lives. We were raised by television to believe that we’d be millionaires and movie gods and rock stars — but we won’t. And we’re learning that fact. And we’re very, very pissed-off.“ Fight Club.

Am Anfang ist es nur eine vorübergehende Melancholie, die Einsamkeit wird überdeckt mit einem Make-up von Medien, die uns ein schönes Leben vorgaukeln. Wer braucht auch noch wirkliche Freunde, wenn er doch seine Lieblingscharaktere hat, die viel romantischer, intelligenter, charmanter und gutaussehender sind als die wirklichen Personen um uns herum? Schlicht und einfach perfekt. Ohne Makel und Fehler, die und doch so sehr stören.
Und vor allem muss man sich nicht um Menschen bemühen, unsere TV-Serie kommt tagtäglich zu uns nach Hause ins Wohnzimmer. Um Leute kennen zu lernen müsste man rausgehen, Zeit mit ihnen verbringen, aber dabei verpasst doch so viel. Und wer weiß, ob diese Leute es wert sind, was geben sie einem schon? Wofür hat man überhaupt Freunde und welche Freundschaft hält schon ewig? Die meisten sind doch nur kurze Momente in unserem Leben der Einsamkeit. Man öffnet sich einem Mensche, gibt sein Inneres Preis nur um dann fallen gelassen zu werden für einen – angeblich – besseren Menschen.
Das verletzt, das tut weh. Selbstzweifel gewinnen. War man nicht gut genug? Nicht amüsant genug? Hatte man den falschen, weil eigenen, Geschmack? Die Medien geben darauf eine klare Antwort: Ja! Du hast dich nicht wie der Star angezogen oder wie diese Schauspielerin gelebt. Du hast kein Yoga gemacht, keinen Diätjoghurt gekauft (Mein Molkedrink schmeckt richtig gut), nicht diese Seife benutzt und bist nicht regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen.
Du warst zu individuell, wolltest allen beweisen wie anders, was für ein besonderer Mensch du bist. Doch das hat nicht funktioniert. Aber nun jeden Trend der Medien mitmachen, das kann doch auch nicht die Antwort sein. Wo ist also die richtige Mitte zwischen Individualismus und den Dingen, die laut den aktuellen Medien jeder haben sollte?

Inzwischen ist es wieder in „einzigartig zu sein“ Lass dir nicht vorschreiben, wer du bist. Doch genau diese Idee wird von den Medien untergraben. Sie wollen ihre Machtposition ausbauen und stellen sich nun auf diese neuen Bedürfnisse ein. Sicher kannst du ein Individuum sein, aber nur ein Individuum, wie die Medien es vorschreiben.

Denn die einzigen Bewegungen in Richtung Freiheit werden von der Werbebranche sofort aufgegriffen. Große Brüste, größere Ambitionen. Sei individuell mit diesem Shampoo, sei kreativ mit diesem Riegel, geh bloß nicht in der Herde unter. Doch die Herde existiert schon lange nicht mehr. Ein Individuum reiht sich ans Nächste. Gib bloß keine Gemeinsamkeit zu, sonst gehst du unter. Eigenständig und gleichzeitig absolut abhängig von den anderen, denn wehe dein Style wird kopiert. Alle sind anders, aber gleich anders.

Keine Gemeinsamkeiten zu haben oder so zu tun als ob man keine hätte bedeutet aber auch, dass man praktisch nichts mehr hat, was man gemeinsam machen kann. Jeder hat ein ausgefallenes Hobby, dass man nur alleine ausführen kann, weil es einfach niemanden mehr gibt, der eben auch dieses Hobby hat. Man ist zwar cool, aber auch einsam. Permanent unter Menschen und doch verloren. Wo soll das hinführen?

Darum: Be a real individual, follow the hype. (Follow the Cops back home)

Josefina und Charlotte (:muha:)