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[Darum!]

Ich nehme an, ich sollte gerade absolut und total gegen meinen eigentlichen Wunsch nach absoluter Einsamkeit, Schokolade und Depressionen handeln und irgendwas machen. Wäsche waschen klingt so wahnsinnig aufregend. (Oh ja, mich kotzen diese ach so sinnvollen Dinge, die man ja doch machen muss, obwohl es keine Freude bereitet, an. Weil es ja doch das Meiste ist. Bücher lesen ist auch sinnvoll, aber dafür hat man ja nie Zeit.)

Oh, Aufzeichnungen aus einem Totenhaus ist wundervoll. Mich verwirren die Namen, es ist anders, aber es ist gut. Und es liest sich furchtbarst schnell, selbst wenn man dabei versucht irgendeinen dämlichen Knirps zum schlafen zu bringen. (Darf nicht draufhauen, darf nicht draufhauen!)

Ja. Ich sollte was tun. Sportliches Zeugs. Menschliches Zeug. Das bedeutet, ich werde nun gleich M., L. und N. schreiben. Und mich weiter darüber ärgern, dass ich mich mit meiner Gesundheit nicht traue so ewig weit für eine Nacht zu fahren. Und mich fragen, ob das nun nur eine Ausrede ist, weil ich gerne meine Melancholie hegen und pflegen würde. Ich denke, es ist eine Ausrede, aber eine gute, daher ist es in Ordnung. Und ich glaube, es ist wirklich besser, wenn ich einfach schlafe, als wenn ich sechs Stunden hin und zurück fahre. Für eine Nacht, weil ich das am Freitag natürlich gar nicht schaffe. Hallo – es gibt Leute, die arbeiten und die wohnen vielleicht ein bisschen weg von Helsinki? (Es geht um ein dummes Camp. Nicht Camp, ulkiges Wochenende. Alle werden da sein, alle werden Spaß haben und ich, ich werde wieder mal nicht da sein. Großartig, Josefina, großartig.)

Ab Morgen wird jedenfalls alles anders. (Ich überhöre euer gehässiges Gelache. Tse!) Besser, natürlich. Alles wird immer, immer besser. Das Glück sprudelt, die Seele lacht. Um drei Uhr geht die Straßenbeleuchtung an, um vier ist es dunkel. Es ist kalt, es regnet. Ich mag es, aber nein, ich will nicht rausgehen. Ich will nicht krank sein. (Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch krank bin oder ob ich mich in irgendwas reinsteigere – andererseits, wann war ich das letzte Mal tatsächlich gesund, bitte sehr?)
Es wird übrigens natürlich erst ab Morgen alles anders, heute bin ich ja deprimiert und faul und voller Nutellabrot. Und alle meine Sachen fliegen wild in der Wohnung rum. Ich sollte Geld wiederverlangen (30 verfickte Euro für acht Antibiotikatabletten – Finnland, ich liebe dir, aber geh doch nach Hause!).

Es ist so sinnfrei, was ich gerade mache, aber es ist wahrscheinlich ja doch das Sinnvollste, was ich jemals tat. Ich meine, hey, ich erfreue kleine Menschen. Sie lachen mehr meinetwegen (nicht über mich) als dass sie weinen, das nenne ich doch einen Erfolg.

Der Regen läuft in kleinen Bächen, die gegen Viertel nach vier eher reißenden Flüssen ähneln, in den Sandkasten des Kindergartens. Ich begreife zwar nicht, warum man das Wasser ausgerechnet dahin leitet, aber man tut es. Alles ist nass, überall ist Wasser. Wäre Finnland Holland, dann wäre es schon abgesoffen. Oder so ähnlich. Der Sinn ging dahin, war niemals da. Dunkelheit und Furcht bestimmen alles. Muhahaha.

Gott. Ich glaube, ich sollte O.C. gucken und die Sonne in mein Herz scheinen lassen. Es geht mir nichtmal schlecht. Ich mag es so gerne, dass es mir schecht geht, dass es mir immer gut dabei geht. Der Regen ist laut, der Wind ist lauter. Vielleicht sollte ich damit aufhören, aber eigentlich sollte ich so viel, dass ich mir diesen letzten Rest Glück (oh ja, ich bin ja so unglücklich, unverstanden und individuell) nehmen lassen werde.

Wie ich schon sagte: Dunkelheit und Furcht, wir sind alle wahnsinnig evil.
Josefina