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[Tallinn ist Estlands Hauptstadt und der Haupthafen des Landes. (Das Ende ist nicht sehr schön übersetzt, egal.)]

So. Ich bin also um halb sechs aufgestanden, damit ich um kurz vor halb sieben die Bahn zum Hafen nehmen konnte, damit ich vor sieben einchecken konnte, damit ich um halb acht die Fähre nehmen konnte. Hat alles prima geklappt, auch wenn ich die Fahrkartenautomaten in Helsinkier Straßenbahnen nicht verstehe und mein Perso abgelaufen war und man mich vermutlich beim Einchecken hätte aufhalten können, was aber niemand getan hat. Danke sehr dafür.

Fähre also. Ich glaube, ich war schon fast wieder eingeschlafen bevor die Fähre überhaupt losgefahren war. Auf einem Barhocker, sehr stilvoll. Die bequemeren Sitze waren von anderen Schlafenden besetzt. Und so fuhr ich schlafend über das Meer. Irgendwann wachte ich auf und das Meer hatte eine hübsche Farbe und es war schon fast hell und wir waren schon fast da. Danke sehr dafür.

Ich bin dann also so von der Fähre gestolpert und hatte keinen richtigen Plan mehr, außer dass ich halt in die Altstadt wollte, weil was soll ich mir denn sonst bitte ansehen?! Eben. Das Gute ist, dass man die Kirchtürme direkt sieht, deswegen konnte ich einfach darauf zu laufen und konnte mein Ziel gar nicht verpassen. Ich wusste dann auch ziemlich bald, wo ich war, denn ich war ja schonmal da gewesen. 2009 mit Sonne. Diesmal war nicht so viel mit Sonne, aber es war so am Anfang etwas wie trocken. Danke sehr dafür.

Dann musste ich erstmal frühstücken, obwohl ich bei Emma schon ein Frühstück bekommen hatte, aber mehr Tee schadet nie. Ich bin also einfach in den erstbesten Laden reingelaufen, der auch irgendwie ziemlich niedlich war. Da habe ich Tee getrunken und irgendein estnisches Gebäckstück gegessen. War sehr gemütlich. Ich war müde. Ich habe mich an diesem Punkt etwas gefragt, warum zum Teufel ich um diese Uhrzeit alleine in irgendeine blöde verregnete Stadt gefahren bin und was ich jetzt eigentlich machen soll. Dann bin ich einfach losgelaufen.

Frühstückscafé

Die Altstadt von Tallinn ist noch einmal in zwei Teile unterteilt (glaube ich, haha): Den Domberg und die Unterstadt. Und ich war erstmal in der Unterstadt. Wenn ich das richtig verstanden habe.





Das (oben) ist das Rathaus, da gucken Drachen raus. Warum, weiß ich nicht, is‘ aber so.






Dann bin ich hochgelaufen, auf den Domberg. Diesen Weg da!


Da oben gibt es dann zum Beispiel die Aleksander-Nevski-Kathedrale, die ich gesucht und dann auch gefunden hatte. Ich bin aber nicht reingegangen, sondern nur drumrumgelaufen. Ich habe mich aber meines Lebens sehr gefreut dabei. Danke sehr dafür. Dann bin ich weg von der Kathedrale und weiter da oben rumgelaufen. Die Gässchen sind außerordentlich pittoresk.



Da oben gibt es auch mehrere Aussichtspunkte, von denen man auf die Stadt hinunterblicken kann. Ich habe jetzt natürlich vergessen, welcher wo war, aber die zwei bei denen ich war, waren eh praktisch direkt nebeneinander und da war es dann doch auch etwas voller, deswegen war ich nicht so lange da. Ich habe mich einfach wieder getrollt. Trotzdem, das sah man von Aussichtspunkt Nummer Eins:


Und das von Aussichtspunkt Nummer Zwei, den man erreichte, wenn man unter anderem durch die Gasse da oben ging:


Dann war ich weiter auf dem Domberg. Ich war sogar in einigen Geschäften. Die verkaufen dort hauptsächlich Bernstein und das ist immer enorm hübsch anzusehen. Ich wollte sogar einen Ring haben, aber den gab’s gar nicht in meiner Größe, deswegen habe ich jetzt gar nichts, was aber auch nichts macht, weil ich am Ende doch nie Ringe trage. Schwamm drüber und weg damit.


Dann bin ich wieder runtergegangen, meine Füße taten inzwischen weh, meine Tasche war zu schwer und ich hatte Hunger. Ich habe gegoogelt, wo man wohl am besten essen gehen kann ohne arm zu werden und TripAdvisor hat gesagt, ich soll da hingehen:
Da war ich dann auch. Es ist etwas mysteriös alleine in ein Restaurant zu gehen, finde ich. Man sitzt dann da so rum. Und dann isst man so alleine. Und dann saß ich weiter so da rum, weil es dann geregnet hat. Der Lachs war übrigens sehr lecker. Und der Tee auch. Ich glaube, ich saß so um die zwei Stunden da, weil ich nicht in den Regen wollte. Irgendwann hat es aber mal wieder fast aufgehört, da bin ich wieder losgegangen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich in der Altstadt nun alles gesehen hatte, also habe ich die Altstadt verlassen und die alten Stadtmauern hinter mit gelassen, yeah!







Allerdings ist Tallinn nicht mehr sonderlich pittoresk, wenn man die Altstadt verlässt, vor allem nicht bei dem Wetter. Gefällt mir trotzdem ganz gut. Aber irgendwie wurde es mir dann zu dunkel und zu betrunken da draußen und weil ich dann ein Schisser bin und nicht genau wusste, wo ich eigentlich bin, bin ich wieder hinter die Stadtmauern geflüchtet, da gibt’s eh nur Touristen, die tun mir nichts. Ich bin dann auch einen Kirchturm geklettert, sogar mit Eintrittbezahlen. Der Turm gehört der Olaikirche, die war mal das höchste Gebäude der Welt. Das ist eine Weile her, aber wenn man oben ist, freut man sich trotzdem. Ich hätte natürlich etwas früher hingehen sollen, dann wäre es weniger neblig und dunkel gewesen, aber so hat es mir auch gut gefallen und außer mir war niemand mehr da. (Als ich wieder runtergeklettert bin, kamen aber auf einmal Scharen von Menschen. Bestimmt haben die mich gesehen und dachten, was ich mache, kann nur gut sein. Danke sehr dafür.)





Es war übrigens recht praktisch, dass ich da oben war, denn ich konnte so sehr gut sehen, was der schnellste Weg zu der Fähre sein würde. Aber noch war ein bisschen Zeit. Die habe ich allerdings in einem Café verbracht (süß! Obernette Bedienung!). Ich habe Sherlock-Holmes-Kurzgeschichten gelesen und Tee getrunken und darauf gewartet, dass die Zeit vergeht. Und drinnen war es warm und hell und draußen kalt und dunkel, haha! Irgendwann musste ich aber doch mal zur Fähre. Da habe ich den Pfad genommen, den ich ja vorher schon so gut rausgefunden habe. Hurra!



Dann war ich auf der Fähre. Erst saß ich in so einem Restaurantding, aber das war mir irgendwann zu laut und zu betrunken, da bin ich in die Kinderspielewelt gegangen, da war’s zwar auch laut, aber ich war mir ziemlich sicher, dass es dort am wenigsten betrunken zu gehen würde und dem war auch so. Ich habe einfach weiter Sherlock Holmes gelesen. Könnte ich mal weitermachen. Ich bin mitten in einer Geschichte stehen geblieben! Ich muss doch raufinden, wie bewiesen wird, dass der Mann gar nicht der Mörder ist!

Ja. Der Heimweg hat mich ingesamt doch eher angenervt: Einchecken, auf die Fähre warten, 2 Stunden Fähre fahren, Hafen verlassen, Straßenbahn nehmen, in Helsinki auf den Bus warten, fast drei Stunden Bus fahren, nach Hause laufen. In Tampere fuhr nämlich natürlich kein Bus mehr und ich bezahle ja nun nicht zehn Euro, damit ich die 2,2 km gefahren werde. Andererseits hat es natürlich etwas geregnet und ich war doch etwas nass als ich dann da war. Und müde, so müde, so unendlich müde.

So war das. Insgesamt kann ich Tallinn gut leiden. Und ich finde es sehr lustig, wie einen dort einfach fast jeder, der dort ist, in seiner eigenen Sprache anredet. Esten haben Estnisch mit mir geredet, Russen Russisch und Finnen Finnisch. Den Esten möchte ich gerne zu gestehen, dass sie in ihrem eigenen Land erstmal Estnisch reden (das war auch irgendwo nicht in der Altstadt und der wollte den Weg wissen und ich hatte die Kamera gerade weggepackt und sah vielleicht nicht so touristisch aus), aber die bösen Russen tun einfach so als würden da alle Russisch sprechen. Was aber irgendwie auch alle tun. Sehr krass wieviel Russisch da noch ist, auch in schriftlicher Form (mein Russisch hat für die geforderten Konverstationen übirgens auch gereicht, denn ich wusste eh nicht, wo das war, wo der hinwollte. Und „Ich weiß nicht“ kann sogar ich sagen). Und Finnen denken vermutlich einfach, dass Esten eh Finnisch verstehen und das deswegen sowieso alles passt. Das stimmt ja angeblich auch, aber nur in diese Richtung. Die meisten Finnen verstehen kein Estnisch. Ich habe mit Estnisch ja auch das Problem, dass den meisten Finnen unterstellt wird (uuuh, ich bin voll der Oberfinne!): es ist zu kurz, vor allem für mich. Wenn ich mir fertig überlegt habe, was dieses Wort wohl auf finnisch heißt (und dann noch überlegt habe, was dieses Wort auf deutsch heißt), sind diese estnischen Schelme schon fünf Wörter weiter, die ich aber leider nicht mehr mitbekommen habe. Weil die immer die Hälfte des Worts weglassen! Was soll denn das?! Aber ich hatte auch nur ein Semester Estnisch, ich muss gar kein Estnisch können, haha!

Gute Nacht,
Josefina