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[Fjodor Michailovitsch Dostojewskij war ein russischer Schriftsteller.]

So. Nachdem wir am Donnerstag aus dem Palast wieder ins Hotel gefahren waren, hatte ich vor das Dostojewskij-Museum anzusehen. Mir wollte zwar niemand folgen, aber das hat mich nicht aufgehalten. Gerade weil ich in so einem Museum eh eher keine Gesellschaft brauche. Das Museum war nahe am Hotel und ich habe es sehr gut gefunden. Und coole Leute gucken sich sowas halt an! Alles Banausen. Außer mir. (Ich scheine aber eh ein Faible für Schrifststellermuseen zu haben.)

Die Gaderobendame im Museum war auch nur etwas unfreundlich. Die wollte irgendwas und ich habe einfach null verstanden, was von mir gewollt wurde, da ist die ein bisschen gereizt gewesen. Dabei muss man doch nur seinen Mantel abgeben und bekommt eine Nummer, nicht? Am Ende war aber alles gut. Ich hatte auch eine Nummer. Am Ende war mein Mantel auch noch da. Das Problem habe ich bis heute nicht verstanden. Ich habe auch nicht weiter drüber nachgedacht.

Das Museum befindet sich in der Wohnung in der Dostojewskij zuletzt gelebt hat. Was ich ein bisschen seltsam, aber auch nicht störend, fand, war die Tatsache, dass hier mehrere Sachen miteinander vermischt werden: einerseits zeigt das Museum die Wohnung so, wie sie damals war, andererseits stehen auch Vitrinen dort, die Gegenstände aus der Familie Dostojewskijs zeigen oder es hängen Bilder von Dostojewskij selbst an der Wand. Ich bin mir recht sicher, dass der nicht um die zehn Bilder von sich selbst in der Wohnung verteilt hatte. Auch die anderen Bilder, die da waren, waren wohl eher dazu da, um den Besucher einen Aspekt des Lebens näher zu bringen. Und der „Originalzustand“ und das Museale (a..ha) wurden nicht richtig getrennt. Trotzdem hat es mir sehr gut gefallen. Und der Studenteneintritt lag bei 80 Rubel (um die zwei Euro), das ist sehr günstig! Da kann man auch nicht mosern, dass das Museum ansich sehr klein ist.

Erstmal die Wohnung, die besteht aus einer Eingangshalle, einem Wohnzimmer, einem Schreibzimmer, einem Esszimmer, einem Zimmer von seiner Frau, einen Kinderzimmer und einem Waschraum. Die Küche und einen weiteren (Abstell)raum konnte man nicht sehen.




Von oben nach unten (ich bin heute ganz professionell!):
groß: Die Eingangshalle. Das ist der echt Hut! Ich stand davor! Geilomat.
1. Reihe: Eine Zigarettenschachtel auf dem Wohnzimmertisch, da hat die Tochter (?) etwas draufgeschrieben; die Uhr im Schreibzimmer, die das Todesdatum anzeigt.
2. Reihe: Dostojewskijs Schreibtisch; der Esstisch.
3. Reihe: Bilder von Bad Ems in Anna Dostojewskajas Raum; Blick aus dem Kinderzimmer in Annas Zimmer.
4. Reihe: Puppe im Kinderzimmer; Tisch im Kinderzimmer.
5. Reihe: Blick aus dem Wohnzimmer auf das Fenster im Schreibzimmer, Bilder von u.a. Anna in Annas Zimmer (sowas meine ich!)

Gegenüber von der Wohnung gab’s noch zwei Räume (oder eher: einen Doppelraum), dort war in Schaukästen der Lebensweg nachgezeichnet. Hier hätte sich vermutlich entweder eine Führung oder zumindest eine Audiogerätsführung gelohnt, sonst war das nämlich sehr unübersichtlich, obwohl ich vieles schon einordnen konnte. Aber ich bin ja auch oberinformiert.

Ich fand das ja recht passend und schick gestaltet. Hat mir insgesamt gut gefallen. Ich habe auch den Museumsführer gekauft. Und einen Kalender. Eigentlich bloß weil die Verkäuferin im Museumsshop (=ein Tisch im Eingangsbereich) so herzig war. Ich habe auch einen Stempel vorne in mein Buch bekommen, yeah! In dem Haus ist auch noch ein Theater, da waren plötzlich viele tendenziell schicker gekleidete Menschen, da bin ich wieder geflohen. Ich war eh eeeecht lange da, obwohl es so klein ist. Ich bin in der Wohnung auch ungefähr hundert Mal im Kreis gelaufen, die Aufseherinnen fanden mich schon ganz mysteriös. Aber ich habe zwei Euro dafür bezahlt, da kann ich ja wohl mal gucken so lange ich will!

Und draußen bin ich dann noch ein bisschen rumgelaufen, weil ich auch gerne mal über den Newskij-Prospekt (=große und alte Straße) laufen wollte. Weil die Straße wichtig ist und bei Dostojewskij flitzen die auch immer darüber. Außerdem war das sehr in der Nähe.

Tschechows „Die Möwe“ hat Premiere. Seitdem ich keine Hausarbeiten mehr über Tschechow schreiben muss, kann ich mich wieder freuen und denken „Ach ja, der gute alte Tschechow.“

Der Newskij-Prospekt liegt vor mir.


Das Gebäude dort rechts von der Säule ist der (ein?) Bahnhof. Wir sind von dort aus nach Moskau gefahren, aber nicht jetzt. Ich bin also so weiter gelaufen. Aber dann eher ohne Kamera. Ich habe nämlich mit die Augis geguckert! Und dann war ich noch mal eine Suppe essen, Soljanka. Hat gut geschmeckt.

Danach war mein eigentlicher Plan, dass ich ins Hotel gehe und mir etwas wärmeres anziehe, damit ich nochmal raus kann. Allerdings wurde der Plan dadurch zerstört, dass ich einfach eingeschlafen bin. Lustig, was? War aber auch mal ganz gut, weil bisher alles recht anstrengend war und die Nacht auf der Fähre irgendwie immer noch in den Knochen saß.

Der Donnerstag hat mir aber recht gut gefallen, obwohl ich viel alleine gemacht habe. Der Palast und das Museum lohnen sich definitiv würde ich sagen. (Das ist ein hilfreicher Tipp, ne? Alle sind ständig in Petersburg!)

Literarisch,
Josefina