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Wien; zweiter Tag: Wien wirkt weiter wie eine Wüste, die auf die Regenzeit (d.h. den Frühling) wartet, um dann kurz aufzublühen. Alles wartet. Der letzte Schnee will nicht schmelzen. Die Häuserwände sind kalt. Der Unicampus lässt erahnen, was für ein angenehmer Ort zum Studieren es im Sommer sein könnte, aber gerade einfach nicht ist. Es ist nicht unangenehm, das nicht. Es gefällt mir sogar.

Das Institutsgebäude ist dafür einfach ein weiteres Institutsgebäude, der Boden sieht wie bei uns aus, aber es riecht anders. Veranstaltungen, in denen tatsächlich die erste Reihe als erstes besetzt ist und die letzten Ankömmlinge statt in eben jener tatsächlich in der letzten Reihe platz nehmen müssen, sind suspekt, aber auch interessant. Alle sind hier, weil sie hier sein wollen. Es sind wenig BA-Studenten, die Standardfrage ist mehr „Und, wovon handelt deine Doktorarbeit?“, aber auch das ist in Ordnung.

Drei Veranstaltungen heute: Chantischkurs, ein bisschen verwirrend. Praktisch ausgerichtet, aber die Dozentin und die anwesende Chantie (?, wie schreibt man das richtig?) sprechen unterschiedliche Dialekte und deswegen alles unterschiedlich aus und niemand sonst kann diese Laute produzieren, schon gar nicht in dieser Reihenfolge und auch nicht, wenn es sich bei jedem Vorsagen anders anhört. Und die drei Frage (Wie heißt du? Woher kommst du? Wie alt bist du?) reichen dann doch nicht für ausführliche Konversationen, vor allem nicht, wenn man sie vom Zettel ablesen muss. Morgen geht es weiter.
Die Vorlesung nach der Mittagspause war interessant, über Ethnographie, teils war es sogar ausgesprochen lustig, manchmal konnte ich aber auch einfach nicht zuhören, weil man mit vollen Bäuchen nicht lauschen kann. Blumenkohlohren. Danach ein weiteres Seminar (so wollen wir das jetzt mal nennen). Sprachsterben und Sprachrettung. Ebenfalls ausgesprochen interessant, aber meine Konzentration hält keine drei Stunden. Und gerade bin ich zu müde, um mich überhaupt zu erinnern, was die Fragen waren. Oder die Antworten. Denn die Frage, ob und inwiefern und wie man aussterbende Sprachen „retten“ sollte, ist keine, die man mal eben so beantwortet.

Gegessen: Nutellabrötchen, Süß-sauer-Suppe, Ente mit Sojasprossen und Reis, Kekse, Schokolade, Speckchips, Strudel, schwarzer Tee, Orangensaft.

Josefina