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Wien; neunter Tag: Meine Motivation die Stadt wahrzunehmen ist schwindend. Alles ist schwindend.

Nganasanischkurs (das ist eine samojedische Sprache) beginnt und der erste Tag ist praktisch, ab morgen soll das wohl anders werden. Ich muss aufstehen und was sagen, weil das ja meine Professorin ist und ich mir sonst noch blöder vorkomme. Während der Vorlesung danach schlafe ich fast ein, was fast ein bisschen schade ist. Der Workshop danach fällt aus, wir sollen alle hübsche Poster machen. Meine Gruppe macht ein hammergeiles (!) Poster über Fladen grund. Danach muss ich erstmal schlafen. Dann duschen. Dann weiterschlafen. Ich bin müde.

Gegessen: Spagetthi Bolognese. Osterkranz.

Wien; zehnter Tag: Der Schnee ist fast wieder weg, die Gefahr der Dachlawinen gebannt. Es ist grau. Feuchtgrau. Der Nebel dringt irgendwie in meine Anziehsachen ein und macht alles klamm und unangenehm. Ich will nicht mehr rausgehen. Ich will schlafen.

Der Sprachkurs ist dafür interessant, der Stufenwechsel in dieser Sprache erscheint mir allerdings überambitioniert. Nun denn. Und dann der Workshop zu Historischer Linguistik und da weiß ich immer nicht, was ich davon halten soll, aber das ist ja auch ein sehr weites und großes Feld und ich beschäftige mich ja auch nicht genug damit. Ich beschäftige mich mit nichts gut genug. Ich bin nur halb so motiviert wie ich mich darstelle.
Außerdem fühlt es sich schon so an als wären inzwischen alle ein wenig genervt. Oder nur ich bin das. Ich mag gerade nicht mehr, aber ich weiß nicht, was ich nicht mehr mag. Ich bin müde. Und frustriert. Vom fachlichen (bzw. meiner fachlichen Kompetenz), vom menschlichen (oh, ich will doch nur mal alleine sein), vom Versäumnis des Rausgehens, von allem. Alles ist müde.

Gegessen: Schweinerahmgulasch mit Nockerln oder so.

Das Kopfkissen im Hostel ist ein bedauernswertes Geschöpf, den es zieht all meinen Zorn auf sich. Es ist zu flach!
Josefina