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Bremen

Ich bin natürlich viel zu früh losgefahren am vorletzten Mittwoch, aber wenn der Zug stehen geblieben wäre und ich deswegen meinen Flug nicht erreicht hätte, das hätte mein Herz gebrochen. Außerdem fährt man ja fast zwei Stunden. Und man muss immer rechtzeitig im Flughafen sein! Auch wenn ich vorbildlich vorbereitet bin und einen schicken Beutel mit Flüßigkeiten griffbereit halte, damit ich ihn gleich vorzeigen kann. Bei Ryanair bekommt man jetzt Plätze! Verrückt! Ob ich von Bremen jemals mehr sehen werde als die Strecke vom Bahnhof zum Flughafen? Man muss die Straßenbahnlinie 6 nehmen, man fährt 16 Minuten. Ich weiß das. Aber mehr weiß ich nicht über Bremen.

Wenn ich beim Reisen – und dann noch beim Reisen nach Finnland – alte Russen lese, dann wird meine Seele immer sehr empfindsam, weil alte Russen immer einen gewissen Kitsch und eine gewisse Romantik mit sich bringen. Und dann steht man in Finnland, zu einer Jahreszeit in der in Deutschland alles grünt und blüht, Finnland aber seine hässlichste Seite zeigt und denkt sich, dass Finnland trotzdem das schönste Land ist, weil es die Seele rührt und ich immer fast weinen muss, wenn ich ankomme. Finnland im Mai ist deswegen hässlich, weil es brach liegt, alles ist ein grünlich-brauner Sumpf, es liegt kein Schnee der die Landschaft bedeckt, die vielen Bäume sind noch nicht grün und so strecken sie ihre dünnen Äste dem bisschen Sonne entgegen, dass es schon gibt. Es ist leer und traurig. Und so schön.

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Tampere

Dann fährt man Strecken, die ich so gut kenne, der Bus kommt am Bahnhof an und ich liebe diesen Bahnhof und im Bahnhofkiosk gibt’s Pulla und das muss man dann kaufen, denn der Weg zum Busbahnhof ist sehr weit. Da läuft man bestimmt zehn Minuten! Und dann kann man die Hämeenkatu runterlaufen und den Fluss sehen und die Kirche und in Tampere steht die Zeit immer still. Nichts ist jemals anders da. So kann man immer ankommen und das Gefühl haben, man war nie weg. Das ist sehr wohltuend. Den Bus nach Valkeakoski, der immer teurer wird. Jeder Bus hat einen Sprung in der Scheibe. Die Straßen gehen alle geradeaus. Ich kenne gefühlt jeden Baum. Ich habe trotzdem immer Angst die Station zu verpassen. Ich hibbel. Wie jedes Mal steige ich auch wieder eine Station zu früh aus. Dann bin ich trotzdem da. Meinem allerliebsten Finnenhaus. Obwohl es gar nicht rot ist, sondern gelb.

Ich habe übrigens Turgenjew – Väter und Söhne gelesen,
Josefina