Schlagwörter

Jetzt sitze ich immer noch zu Hause und starre vor mich hin, ich sehe dabei neben der Wand auch eine Holztür und ein Bild (auf dem ein Baum drauf ist), deswegen ist es im Prinzip sehr abwechslungsreiches Starren, aber ich starre halt trotzdem bloß. Ich bin ganz leer. Oh, wie gerne ich wieder wütend wäre. Jetzt ist mir alles egal. Ich starre halt bloß noch. Der Baum ist sehr schön, ich habe das Foto gemacht. Aber ich glaube, ich interessiere mich weder sonderlich für Bäume noch für Fotos. Ich glaube, ich interessiere mich für gar nichts. Ich glaube, ich habe mich mal für irgendwas interessiert. Ich glaube, ich kann nicht gut in irgendwas sein, weil es mir halt egal ist. Ich glaube, ich wäre gerne gut in irgendwas. Ich glaube, Angeln ist mir wirklich egal, auch abgesehen von meiner inneren Leere. Auch wenn ich innerlich ganz voll wäre, dann wäre angeln nicht dabei. Letztlich ist mir aufgegangen, dass ich vermutlich nicht mal gerne lese. Ich hasse Bücher. Aber Bücher sind mir immer noch am liebsten von allem. Ich glaube, dass das kein guter Moment in meinem Leben ist, um festzustellen, dass mir alles egal ist. Ich glaube, ich sollte gerade besser funktionieren. Ich glaube, ich will nicht funktionieren. Ich glaube, ich will eine Matratze in einem leeren Zimmer haben und schmalzige Musik hören und so tun als wäre ich siebzehn. Ich glaube, das wäre gut für mich. Ich glaube, das geht nicht. Ich weiß nicht, warum das nicht geht. Ich glaube, ich könnte das einfach machen. Ich weiß aber, dass ich keine Lust habe auf die Konsequenzen. Ich glaube, das sollte mir egaler sein. Ich glaube, dass ich morgen einfach aufstehen werde und so halb das tun werde, was von mir erwartet wird (und was ich von mir erwarte), aber ich weiß, dass mich das nicht froh machen wird. Ich weiß, dass ich das gleiche auch übermorgen machen werde. Und den Tag danach. Ich glaube, ich bleibe ewig ein Gefangener meiner selbst. Ich bin kein guter Gefängniswärter, denn ich bin mir selbst zu egal.

Glauben ist doch Unsinn.
Josefina