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sfv_willemsen_welt_rz.inddTitel: Die Enden der Welt
Autor: Roger Willemsen
Übersetzer: –
Verlag: Fischer
Seiten: 542 (die gebundene Ausgabe, ich habe das größtenteils als eBook gelesen)
Erscheinungsdatum: 2010
Gekauft: Buchhandelpraktikum, Oktober 2011
Fertig gelesen: 31.5.2015
Ort des Lesens: Ein Zimmer in Tampere, ein Zimmer in Tomsk, ein Zimmer in Sant‘ Anna.

Handlung: Eine Sammlung ist das. Erzählungen von den Enden der Welt. Die da sind: Eifel – Gibraltar – Himalaja – Südafrika – Island – Patagonien – Timbuktu – Kamtschatka – Birma – Borneo – Italien – Bombay – Senegal – Hongkong – Afghanistan – Tonga – Indonesien – Orvieto – Kinshasa – Minsk – Thailand – Madeira – Nordpol.

Sprache: Willemsen, aber die lesbare Version, also nicht ganz so verliebt in verschlungene Sätze wie es manchmal der Fall ist, aber immer noch verschlungen genug. Schöne Beschreibungen.

Meinung: Ich habe das Buch eigentlich 2012 angefangen und war total gelangweilt, ich bin auch nur bis Island gekommen. In Tomsk habe ich dann, mehr durch Zufall, wieder von vorne angefangen und kam gleich viel besser mit den Beschreibungen zu recht. Die Fremde, die Außen war, hat mir dabei sicherlich geholfen, die Fremde im Buch besser zu verstehen. Viel Fremde, viel Tod, viel Beobachten – gefällt mir gut. Immer auch die Suche nach sich selbst – gefällt mir auch immer gut.
Außerdem war ich mal auf einer „Lesung“ zu dem Buch, deswegen kannte ich ein paar Geschichten auch schon. Und den Anfang von Gibralta, der eigentlich in Tokyo ist, den habe ich jetzt bestimmt schon zwanzig Mal gelesen. Am allerliebsten mag ich aber Timbuktu und Kamtschatka. Ein Buch also, das man gut lesen kann, am Stück oder nur mal hin und wieder eine Episode. Ein Reisebuch, aber eine Reise an Orte, an die man sonst nie reist. Obwohl – den Nordpol würde ich nehmen.

Das Reisen beweist die Unzerstörbarkeit der Heimat, allerdings der verlorenen. (Gibralta)

Ja, ich genieße die Möglichkeit in einer Stadt zu sein und sie nicht zu finden. (Minsk)

Dann fällt mir ein, ich bin weit weg, ich bin in diesem Land, und suche immer noch die Wirklichkeit dieser Stadt. (Minsk)

Und dann fasst dich die Fremde an, und du bist plötzlich sehr weit weg, unüberbrückbar entrückt wie in einem Exil, ohne die Möglichkeit einer raschen Heimkehr, ausgesetzt und abgeschoben. Die Fremde schließt dich dann ein, du stößt dich dauernd an ihr, kannst dich drehen und wenden, wie du willst, sie wird dasselbe Gesicht, dasselbe Unverständnis zeigen. Sie wird dich abgestoßen, ausscheiden, und du verlierst dich in der großen Wesenslosigkeit, auf den Gehwegen, die nirgends hinführen, zwischen den Häusern mit ihren blasigen Anstrichen, dem vom Salzwasser mitgenommenen Putz, in der grandiosen Tristesse einer Ansiedlung, die nicht behaust sein will, sondern zwischen den Versuchen, zu unterhalten, zu verwalten und zu ernähren keine Sprache gefunden hat. (Kamtschatka)

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