Ich bin müde. Arbeiten ist immer noch ein bisschen anstrengend für mich. Nicht die konkrete Arbeit, sondern mein Umgang damit. Ich habe immer noch nicht rausgefunden, wie ich am besten arbeiten kann, wie ich das schaffe, was ich schaffen möchte. Ich habe aber auch noch nicht rausgefunden, was ich schaffen möchte. Ich schwanke sehr. Ich weiß gerade insgesamt eigentlich weder vor noch zurück, aber auch nicht, wie ich das jemanden sagen soll. Und am Ende ist eigentlich alles nicht so schlimm, glaube ich.

Ich bin nur insgesamt sehr müde. Und fahrig. Und zerbrechlich. Der Umgang mit Leute, die mich wütend machend, ist nervenzerrend, vor allem, wenn… wenn ich nicht kommunizieren kann, was mich wütend macht. Weil ich mich einerseits nicht traue und andererseits auf taube Ohren stoßen würde. Am Ende lasse ich es dann, weil das Problem meinen konkreten Alltag nicht bestimmt, aber das finde ich dann wieder feige von mir und unehrlich.

Ich habe das Gefühl, weiterhin nur in Zwischenzeiten zu leben. Das und das muss muss bis dann und dann geschehen sein, ein Leben in Fristen. Ein Leben vor und nach den Fristen. Freitag ist zum Beispiel eine Frist, da geht es nach Tartu, davor muss ich bestimmt noch was erledigen, aber mein Kopf ist nicht mehr fähig sich daran zu erinnern.

Letzte Woche war auch so eine Frist, eigentlich sogar zwei, eine davon war die Italienischklausur. Denn was macht man, wenn man nicht mehr studiert? Sich freiwillig weiter dem Gleichen aussetzen. Vielleicht bin ich Prüfungssüchtig. Danach hatte ich das Gefühl, es sind Semesterferien. Aber eigentlich habe ich nie wieder Semesterferien. Das war stark irrtierend. Nichts hat sich geändert – ich gehe immer noch jeden Tag an den gleichen Ort, treffe die gleichen Leute – und doch ist alles irgendwie anders. Das ist ja auch gut, aber auch komisch, weil es keinen Bruch gab. Und jetzt stehe ich da und weiß nichts mehr.

Außerdem weiß ich nicht genau, was passiert, wenn ich das am Ende nicht schaffe. Was ist, wenn ich nie eine Doktorarbeit schreibe? Was passiert dann? Was mache ich dann? Aber darauf hat niemand antworten. Vielleicht kann ich das gar nicht?

Ich begehe immer noch ganz gerne Flucht aus dem akademischen Leben, der Reitstall ist ein sicherer Ort. Manchmal. Und dann kommt wieder der Punkt, an dem man merkt, auch da gehört man nicht hin. Und an der Uni warte ich (und ich tu das innerlich tatsächlich, auch wenn das nicht besonders rational ist) immer noch darauf, dass jemand sagt, dass ich Arbeiterkind da nicht hingehöre. Und dann gehöre ich nirgends mehr hin. Ich möchte gerne irgendwo hingehören. Und ich wünschte, ich würde das nicht wollen.

Alles ist anstrengend.
Mein Kopf ist voll.
Aber eigentlich ist alles leer.

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