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Mittwoch – das ist übermorgen – fliege ich nach Finnland. Das löst viele Gedanken bei mir aus. Ich werde zum Beispiel das erste Mal seit einer langen, langen Zeit wieder nach Helsinki fliegen und von dort mit dem Bus nach Valkeakoski fahren. Ich stelle mir vor wie das eine sehr ursprüngliche Erfahrung wird, wie ich zu meinen Wurzeln zurückkehre und Finnland so sehe, wie man es sehen sollte. Ich freue mich sehr auf den Halt in Hämeenlinna, ich bin schon ganz aufgeregt deswegen.
Außerdem passe ich donnerstag auf V1 und V2 auf, sprich wir sind alleine zuhause. Ich finde es sehr nett, dass man mir genug vertraut, dass man mir die Kinder überlässt, ich mache mir aber etwas Sorgen, ob mein Finnisch 11-jährigen aufmüpfigen Buben (!) standhält. Ich hoffe, V1 ist nett, V2 ist ja noch klein, die kann ich sonst einfach umrennen, dann herrscht Ruhe.
Nach meiner Zeit in Valkeakoski fahre ich (mit dem Bus, natürlich) nach Turku. Ich habe eine halbwegs negative Meinung von Turku, in meiner Vorstellung ist diese Stadt schlicht langweilig (nicht so eine Partystadt wie Valkeakoski) und ich weiß nicht, was ich eine Woche lang essen werden. Ich beschäftige mich wirklich mit den zentralen Fragen.
Vor der Reise muss ich noch überlegen, welchen Koffer ich nehme: den mittleren (handlicher) oder den großen (Platz für viel Schokolade). Ansonsten läuf talles, in Finnland geht man nicht verloren. Und wenn doch, ist es das beste Land dafür.


Kennt ihr diese Leute (vor allem diese Paare), die stets an den gleichen Ort fahren? Ich bin ja auch sowohl so ein Mensch (siehe Valkeakoski) als auch so ein Paar: im April geht es zur Überraschung aller einmal mehr nach Marseille, damit die Füße ins Mittelmeer gehalten werden können während ich Baguette esse. Ich freue mich auch darauf sehr, auf die Sonne und den Wind und das Licht!


In Valkeakoski ist das Licht immer blau, in Marseille eher rosa.


Ich fühle mich ständig zerissen. Es gibt mehrere Versionen von mir, je nach Ort, an dem ich bin. Fast nirgends bin ich ganz und das ist ein sehr irrtierendes Gefühl, weil es zusätzlich das Gefühl bestärkt, nirgends dazuzugehören. Ich bin gar nicht so sehr auf der Suche nach einer Gruppe, der ich mich ohne zu zögern anschließen könnte, ich bin, glaube ich, nicht der sozialste Mensch aller Zeiten. Aber irrtierend ist es doch, wenn man immer nur danebensteht und von außen beobachtet. Und was macht das hier schon für einen Unterschied, ob das nur gefühlt so ist oder „in echt“?


Aus ästhetischen Gründen würde ich gerne rauchen und schwarzen Kaffee trinken, aber ich habe noch nie geraucht und so ganz habe ich dann auch keine Lust damit anzufangen (ich weiß auch nicht, was mich davon abhält, außer vielleicht Geiz) und Kaffee schmeckt halt einfach ekelig, da kann man auch nichts machen. Die wenigen Schlücke Kaffee, die ich in meinem Leben konsumiert habe, musste ich ziemlich direkt wieder ausspucken. Und jetzt könnte man sicherlich dafür argumentieren, dass ich mich daran gewöhnen könnte. Aber das widerstrebt mir als Grundkonzept irgendwie.


Ich bin in einer Schleife aus Selbstoptimierung und Unverständnis gefangen. Das Gute ist, dass ich eine Version von mir selbst versuche zu erreichen, die es schlicht nicht geben kann und die ich auch nicht haben wollen würde, was das ganze in die verdient absurde Richtung führt. Und dann lasse ich es halt auch wieder. Aber doch nie ganz, man ist doch Teil der Gesellschaft und nicht gegen alles gefeilt.


Ich fahre in letzter Zeit wieder vermehrt Fahrrad zum Stall. Das sind ungefähr 15 Kilometer hin und die gleiche Strecke zurück. Der Radweg führt neben der Landstraße her, daneben Felder und Wälder. Ich fahre das manchmal, nicht besonders oft, im Dunkeln. Die Leute vom Stall machen sich dabei ständig Sorgen, dass gleich der Perversling P kommt und mich räubert. Ich habe diese Angst nicht. Und ich halte mich nichtmal für sonderlich naiv in dieser Frage, aber erscheint mir einfach nicht besonders wahrscheinlich, dass jemand da wartet. Ich weiß nicht, ob dass der Stadtmensch in mir ist. Ich mache mir ja meistens eher so Sorgen, die sich der Landmensch als solcher vielleicht eher nicht machen würde: kann mir ein Reh vors Fahrrad springen? Was mache ich dann? Wenn Rehe nicht vor Autos ausweichen, warum sollten sie es dann vor Fahrrädern machen? Solche Fragen stelle ich mir! Rehe sind mysteriöse Tiere! Ich fahre diese Strecke aber, Gefahr hin oder her, nicht so gerne im Dunkeln, weil das Fernlicht der entgegenkommenden Autos, dann blendet und das nervt mich. Letztlich (gestern!) bin ich aber bei Nieselregen und Nebel gefahren, das hat total Spaß gemacht.


Ich gehe jetzt. Schokoladeessend Sport machen, auf die Selbstoptimierung und dagegen, ein Auge lacht, ein Auge weint. Blau und rosa, Süd und Nord. Es ist und bleibt zerrissen.

Josefina