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In Düsseldorf gibt es ein Schloss. Das überrascht mich nicht sehr, denn soweit ich zurückdenken kann, weiß ich das schon immer. Das ist vermutlich nicht ganz akkurat, aber zumindest gibt es dieses Wissen schon sehr lange in mir, denn ich wuch ja nun doch in dieser Stadt auf. Was teilweise etwas überraschend ist: Ich bin nie in diesem Schloss gewesen. Man sollte meinen, dass mich wohlwollende Verwandte oder irgendeine Schule (und ich habe drei Schulen in Düsseldorf besucht!) mal in dieses Schloss geschleppt hätte, aber nein. Für eigens gestaltete Ausflüge liegt das Schloss zuweit im Düsseldorfer Süden – Benrath eben, nicht meine Hood.
So mussten also mehr als 10.000 Tage (10.122, um genau zu sein) meines Lebens vergehen, bevor das Schloss im Dezember des vergangenen Jahres durch mich beehrt wurde. Inklusive meiner Mutter (die das auch nicht kannte!), Dario und H., die über Silvester mit in Düsseldorf war.

Das Schloss Benrath ist ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert, die Anlage besteht aus der Corps de Logis, zwei Flügelgebäuden (da sind heute Museen drin), zwei Torhäusern (in einem Kauft man die Eintrittskarten) und der Parkanlage. Das Corps de Logis (also die Wohnanlage des Kurfürsten und der Kurfürstin) kann man nur mit Führung betreten.

Es ist kein riesiges Schloss, aber die Außenanlage ist eigentlich sehr schön, auch der Blick über den Schlossweiher auf das Corps de Logis mit den symmetrisch angeordneten Flügelgebäuden hat etwas für sich. Der Park ist sicherlich zauberhaft. Allein: es war bitterlichkalt und keiner wollte draußen Fotos machen. Kann man aber auf wikipedia und dergleichen angucken, falls man sich das unbedingt wünscht.

Aber was machen eigentlich die Enten im Winter? Die Poren?

Aufbauende Literatur findet man auch in einem der Torhäuser, dort, wo man die Eintrittskarten kauft, gibt es einen kleinen Laden. Ich habe auch tatsächlich Bücher gekauft, aber nicht dieses. Vielleicht hätte das aber den Enten was genützt?

Im Inneren muss man Filzpantoffeln über seine Schuhe ziehen, damit man den Boden nicht zerstört. Damit kann man dann aber lustig rumschlittern. Gefühlt ist das übrigens das einzige, was einem Düsseldorfer, die dieses Schloss schonmal betreten haben, mitteilen: Da bekommste Filzpantoffeln und dann kannste über die Boden rutschen, das ist lustig. Düsseldorfer sind nicht sehr kulturell wertvoll. Aber so ist Benrath: dort ist das Schloss mit den rutschigen Böden und die Eislaufhalle. Ein Stadtteil zum Schlittern.

Das Innere des Schlosses ist sehr prächtig. Es gibt einen Teil für die Kurfürstin, der mit Gartenmotiven gestaltet ist, und einen Teil für den Kurfürsten, der mit Jagdmotiven aufwartet.

Das Schloss ist (wie schon die Anlage) symmetrisch aufgebaut, die Mittelachse bilden das Vestibül, das als Esszimmer/Festsaal genutzt werden konnte, der Grand Salon und der Kuppelsaal. Hier konnte man mächtig tanzen. Die Kuppel kann man unten auf dem Bild sehen. Das Orchester saß quasi in dieser Kuppel, man konnte die Musiker während sie spielten, nicht sehen. Das soll wohl ein Megaeffekt gewesen sein, ich hätte das gerne mal gehört, aber das geht wohl nicht. Später haben wir auch in den oberen Stockwerken den Aufgang zur Kuppel gesehen, das darf aber (gerade?) wegen baulicher Mängel nicht betreten werden.

Ansonsten ist es recht reich verziehrt, vor allem die sogenannten Gartensäle. In diesem Schloss waren die Gesellschaftsräume von den Privaträumen getrennt, diese waren dann auch etwas weniger prachtvoll, aber immer noch mit sehr hübscher Tapete. Und Tapete ist das Wichtigste.

Im Schloss ist es gar nicht so warm, deswegen behält man bei Führungen im Winter lieber seine Jacke an, lässt sich von der Wintersonne bescheinen und lauscht hingebungsvoll.

Suchbild: Wo bin ich?

Das Schloss ist sehr hübsch, wer in Düsseldorf ist, kann es ruhig mal ansehen. Ich glaube, der Garten ist wirklich auch sehr schön, vielleicht gucke ich den im Sommer mal an.

Als kleine Zugabe gibt es heute noch ein paar Extrabilder. Zum Beispiel von der Düssel, dem reißenden Fluss, der Düsseldorf seinen Namen gab. In dem dunklen Backsteingebäude (hinter dem Baum) habe ich mal gewohnt. Das Fenster im dritten Stock, das man hier sieht, war von meinem Zimmer. Ich wusste manchmal gerne, wer da jetzt wohnt.

Ansonsten gibt es am Kirchplatz eine Kirche! Aber da der Platz tatsächlich Kirchplatz heißt, habe ich mir noch nie irgendwelche Gedanken darüber gemacht, wie die Kirche heißt. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass das die St.-Peter-Kirche ist. Der Kirchplatz liegt in Unterbilk, das ist meine Hood.

Ach, Düsseldorf. Rührt auch an meiner Seele, wie Marseille. Und Valkeakoski.
Nächste Woche geht’s aber woanders hin.
Josefina

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