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Liebe Leut‘,

ich möchte eigentlich was zu meinem Sommerurlaub schreiben, allein, es fällt mir schwer. Ich weiß nicht, wo ich anfangen möchte und wo ich anfangen soll. Der Sommerurlaub trug mich dieses Jahr in wenig sommerliche Gefilde: nach Island. In Island ist es generell nicht sehr warm, das liegt an der Lage von Island innerhalb der Welt. Auf Island gibt es außerdem eine Sache, die man unbedingt tun sollte: Man sollte reiten. Denn Island und Islandpferde, das geht ja Hand in Hand und ich kann ja reiten, also Fuß in den Bügel und hoch aufs Pferd.

Ich habe mich schon sehr lange sehr auf diesen Urlaub gefreut, aus zwei Gründen: erst mal ist Reiten auf Island ein reiterlicher Traum, den ich (und vermutlich einige andere ) Reiter eine Weile hatten und gehabt haben und haben werden, und zum anderen war meine Reisebegleitung mega: meine Schwester. Ich habe einen Haufen Geschwister und alle sind super (aber so richtig! Ungelogen!), aber die M-Schwester und ich sind auch Reiterschwestern, das ist schon ziemlich prima.

Zum generellen Ablauf der Reise: Wir sind mit Eurowings von Hamburg nach Reykjavik geflogen, um fünf vor Mitternacht gelandet, mit dem Shuttle in die Stadt reingefahren und hatten dort ein Hostel (Idglo Hostel, würde ich weiterempfehlen) für eine Nacht. Am nächsten Abend sind wir von unserem Reittourveranstalter abgeholt worden, wir haben unsere Tour direkt bei Eldhestar gebucht, Tour 13 haben wir gemacht, mit denen sind wir dann acht Nächte durch Island gezogen und hatten am Ende noch eine selbst organisierte Nacht in Reykjavik (Guesthouse Pavi, würde ich nur begrenzt weiterempfehlen) und sind dann mit dem Bus zum Flughafen geshuttelt und wieder nach Hamburg geflogen. Wir hatten das alles vorher gebucht und alles hat eigentlich gut geklappt. Was wir am ersten Tag in Reykjavik spontan auch noch gebucht haben, war ein Besuch der Blauen Lagune am vorletzten Tag. Wenn man erst mal ein paar Mal für isländische Preise gegessen hat, dann ist einem das Geld dann auch egal und wer weiß, wie oft man noch so nach Island cruist.

Zur Vorbereitung auf die Reise habe ich… mir einen Schlafsack und vernünftige Schuhe und eine Jacke gekauft, weil ich so was alles überhaupt nicht hatte. Über alle Sachen freue ich mich immer noch sehr. Ansonsten kann man sich nicht so gut vorbereiten, weil ich schlecht mit meinem „eigenen“ Pferd sieben Tage am Stück so reiten kann, deswegen hatte ich vorher keine Ahnung, ob ich am zweiten Tag noch aufs Pferd kommen würde. Aber Überraschung und Abenteuer ist ja auch immer gut.

Und jetzt lege ich los. Es gibt sehr viele Fotos. Auf sehr vielen dieser Fotos sieht man Pferde. Damit müssen wir jetzt alle klarkommen. Wir müssen auch damit klarkommen, dass die Tage sich in sich recht ähnlich waren, aber trotzdem dokumentiert werden. Das Leben ist kein Ponyhof! Außerdem schreibe ich auch zu viel, aber man schreibt es ja nur einmal und wenn ich dann mal uralt bin, kann ich mich so viel besser zurückerinnern. Ich bin ja auch ein Dienstleister für mich selbst.

Also! Hier dann heute – live und in Farbe – die Anreise und die ersten zwei Tage der Abenteuer von J&M auf Island.

Am Abreisetag kam die M-Schwester zu mir nach Lüneburg gedüst, dann haben wir gechillt und sind dann nach Hamburg gefahren und zum Flughafen, unser Flug war ja total spät. Der Flug war so spät, dass am Flughafen nichts mehr aufhatte, das hat die Wartezeit nicht spannender gemacht. Aber dafür haben wir Sandwiches und Brezeln geschenkt bekommen, weil die Läden das noch über hatten. Dann waren wir im Flugzeug und ich glaube, ich habe quasi den gesamten Flug geschlafen, weil wir eine Reihe für uns hatten und ich mich auch noch über die M-Schwester gelegt habe. War für mich also ganz bequem und Drei Fragezeichen haben wir auch gehört. Aus dem Flugzeug haben wir ein bisschen Nordlicht gesehen, als wir im Landeflug waren, das sah sehr schön aus. Der Flughafen selbst erscheint mir eng und unorganisiert, das wurde mir auch jetzt schon von mehreren Seiten bestätigt, dass er dies ist. Wir haben unseren Bus aber trotzdem gut gefunden und wurden zum Busbahnhof gebracht, da waren wir so um eins, halb zwei in der Nacht. Ich glaube, man kann auch buchen, dass die einem direkt zum Hostel fahren, aber das haben wir nicht gemacht, unser Hostel war auch eigentlich sehr nah und wir haben es gut gefunden! Aber so Mitten in der Nacht ist es schon sehr kalt und windig gewesen. Im Hostel lag ein Zimmerschlüssel für uns bereit – das Zimmer war in einem anderen Haus, also mussten wir doch nochmal raus. Und dafür hatten wir uns die Schuhe ausgezogen! Das haben wir ja gerne! Wir hatten ein zwei-Bett-Zimmer gebucht, aber es war ein vier-Bett-Zimmer, das wir für uns alleine hatten. Da hatten wir also erst mal Platz und haben uns ausgebreitet. Und dann geschlafen. War auch mal Zeit.

mde

Am nächsten Tag haben wir unsere Sachen an der Rezeption gelassen und uns einen Frühstücksplatz empfehlen lassen. Café Loki. Das kann ich an dieser Stelle auch weiterempfehlen. Wir hatten ein Heißgetränk und einen Bagel mit Käse und Marmelade, was ich eigentlich nicht mag, aber es war Orangenmarmelade und irgendwie war es dann doch lecker.

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Dann haben wir ein bisschen Reykjavik angeguckt, aber ehrlicher Weise gibt es dort nicht so viel zu sehen, fürchte ich.

dav

Wir haben uns einmal am Wasser durchpusten lassen und haben dann auf der „großen“ Einkaufstraße alle Läden einmal angesehen – da gibt es hauptsächlich Touristenshops, die alle das gleiche verkaufen. Bis auf Postkarten haben wir aber noch gar nichts gekauft.

Dann waren wir mittagessen, einen Smoothie haben wir auch dazu getrunken, der Hulk hat uns sehr stark gemacht. Ich gucke lieber nicht nach, wie viel das alles noch mal gekostet hat, aber Island ist schon nicht so das billigste aller Urlaubsländer, für Essen kann man sein Geld da schon loswerden. Am besten rechnet man gar nicht erst in Euro um und bezahlt eh alles mit Karte, dann kann man vergessen, was man da gerade tut.

sdr

Nach dem Essen sind wir, gestärkt und voller Tatendrang, noch einmal ein bisschen der Küste auf- und abgelaufen, aber es war wirklich sehr windig und obwohl wir so gestärkt und voller Tatendrang waren, waren wir auch schlicht und ergreifend etwas müde, fürchte ich fast.

Wir sind dann einfach zurück in unser Hostel und haben uns dort noch etwas aufgehalten und aufgewärmt und sind dann zum Busbahnhof gegangen, weil wir dort abgeholt werden sollten. Wir wussten weder genau, wer uns abholt noch genau auf welcher Seite man uns denn im Empfang nehmen würde und ich würde fast behaupten, dies waren die nervösesten Minuten der Reise. Wenn jetzt niemand kommt? Was machen wir denn dann? Aber es kam dann jemand mit einem Auto auf dem groß das Logo drauf war und auf der Liste standen wir auch, war also alles nur halb so wild. Und so fuhren wir dann, in eine ungewisse Zukunft.

Wir kamen also auf der Farm (ich nenne das jetzt einfach mal so) an und bekamen Zimmer, wir waren in einem Fünf-Bett-Zimmer, die anderen Leute würden auch alle an unserer Tour teilnehmen. Dann gab’s Abendessen und wir haben uns alle schon ein bisschen kennengelernt. Unsere Gruppe bestand aus 18 Teilnehmern und 3 Guides, also insgesamt 21 Reiter (von denen 13, glaube ich, Deutsche waren). Wir waren außerdem nur Mädchen/Frauen/weiblichen Geschlechtes, sonst sind wohl auch doch meistens ein, zwei Männer dabei. Dann hatten wir zudem noch ein kurzes Treffen, bei dem wir kurz was zu unseren reiterlichen Erfahrungen gesagt hatten und Helme und Regenkleidung bekamen (für die M-Schwester das Highlight der Reise, behaupte ich mal. Die M-Schwester liebt orange Kleidung.), wenn ich mich recht entsinne wurde uns auch was zu Islandpferden generell gesagt und welche Regeln wir beachten sollen – wie steigt man auf und ab, welche Kommandos gibt es, usw. Dann durften wir schlafen. Schlafen ist immer gut.

Am nächsten Tag wurde sich dann in die Reitkleidung geschmissen (ich fand’s etwas schwierig abzuschätzen wie warm man sich anziehen sollte) und zu den Pferden. Jeder bekam ein Pferd zugewiesen, ich war gleich die erste, die einen Namen an den Kopf geworfen bekam. Und ich kann jetzt schon verraten, dass dieses Pferd eine meiner zwei großen Lieben ist.

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Achso, das hatte ich noch nicht gesagt: wir würden, so der Plan, zwei bis dreimal am Tag das Pferd wechseln, insgesamt also ziemlich viele unterschiedliche Pferde reiten.

Jedenfalls bekam ich Styrtnir, einen ziemlich großen Isländer. Ich wollte ja eh ein Pony haben, das eine helle Mähne zu dunklem Fell trägt, man hat da ja so seine Vorstellungen. Und da ich optisch schon mal sehr zufrieden war, konnte es ja nur noch super werden.

sdr

Wir haben dann geputzt und gesattelt – jeder hat einen eigenen Sattel bekommen, den er zu jedem Pferd mitnehmen würde. Das geht ganz gut, weil Isländer sich alle ziemlich ähnlich sind und die deswegen auf alle passen. Jedenfalls hatte auch kein Pferd Satteldruck oder so was.

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Dann haben wir in der Halle erst mal getestet, wie man so töltet. Mein Pony war aber ein automatischer Tölter, da musste man wirklich nicht so viel machen, man hätte sich vermutlich viel Mühe geben müssen, um dieses Pferd zum Trab zu bewegen. Aber meine Herren, das war sehr bequem. Ich fand das Pony also nicht nur optisch herausragend, ich wollte es auch so haben. Für immer.

dav

Dann ging’s los. Auf in die freie Wildbahn.

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Der erste Ritt war ein kurzer „Testritt“, also nur so vier Stunden lang oder so, wir hatten Sandwiches in Satteltaschen bei uns. Ich hatte Sandwiches und M-Schwester das Regenzeug, ein super Team.

sdr

Und so reitet man dann, es ist wirklich sehr toll. Die Landschaft ist sehr leer, groß und weit, die Pferde gehen fleißig vorwärts, die Gruppe war sehr nett, man geht Schritt und kann sich umsehen oder man töltet und kann sich an diesem prima Pferd unter einem erfreuen. Ernsthaft, wie ein Sofa. Mein erster Eindruck von Tölt (es ist sehr lange her, dass ich überhaupt mal getöltet bin, deswegen war das quasi der erste Eindruck) war sehr positiv. Tölt ist übrigens spezielle Gangart, die Isländer laufen können, man kann sich bei wikipedia oder ähnlichen Seiten umfassend über die Trittfolge und dergleichen informieren. Generell sagt man aber, dass Tölt sehr angenehm zu sitzen ist. Das stimmt auch. Vor allem auf diesem Pferd. Ich habe Herzchen in den Augen.

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Nach einer Weile haben wir dann Pause gemacht und unsere Brote gegessen und Wasser getrunken. An dem Tag hatten wir nur eine Wasserflasche pro Person mit, das war uns zu wenig, die anderen Tage haben wir immer noch eine Flasche extra mitgenommen. Man muss ja auch genug trinken und die Geschwister J&M, die sind ja nicht doof, die nehmen dann eben mehr mit! Muss ja auch das Pferd tragen, nicht wir.

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Einige mussten oder durften hier schon das Pferd wechseln, aber ich durfte mein Herzbub noch ein wenig behalten und mich weiter durch die Landschaft tragen lassen.

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Das Grün durchzogen von kleinen Bächlein sieht schon gut aus.

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Schließlich musste ich aber auch das Pferd wechseln, einen kleinen Fuchs habe ich dann bekommen, der war auch wirklich in Ordnung, aber konnte leider nicht mithalten mit dem ersten. Das ist unfair, aber so ist das Leben. Den Berg, den wir vorher hochgeklettert waren, liefen wir nun wieder runter. Und ebenso wie beim Hochlaufen liefen wir auch beim Runterlaufen neben den Pferden her, damit es etwas leichter für sie ist. Das Hochlaufen am Vormittag war der anstrengendste Teil des ganzen Tages.

sdr

Und dann, nach einen weiteren kurzen Stück reiten, war der Tag auch schon vorbei. Wir sind an einem Kraftwerk, da wird Wärme und Wasser(?) nach Reykjavik transportiert und es sieht etwas gruselig aus.

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Die Pferde haben wir dort gelassen. Auch das schönste Pferd von allen.

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Wir selbst sind mit einem Bus zurück zur Farm gefahren, die Fahrt hat insgesamt so zehn Minuten gedauert, gut, dass wir mit dem Pferd vier Stunden dafür gebraucht haben. Auf der Farm gab’s wieder Abendessen (Lamm!), wir haben die Hot Tub genutzt und noch ein paar Fotos gemacht und sind dann aber auch schlafen gegangen.

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Insgesamt sind wir so 18 km in vier Stunden geritten, die Muskeln haben das noch gut mitgemacht, man konnte also voller Vorfreude auf den nächsten Tag sein.
Josefina