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Ich sitze in meinem Wohnheimzimmer in Tartu. Seit etwa einer Woche ist meine Zimmernachbarin auch in Tartu angekommen und sie ist sehr nett und bisher haben wir uns gut verstanden, aber ich bin auch nicht traurig, dass sie nun eine Woche reist und nicht hier ist – sich das Zimmer zu teilen ist doch eine sehr intime Angelegenheit. Vor allem wenn man, wie ich, ein so fauler Mensch ist und gerne Zeit in seinem Zimmer verbringt und das eben vorzugsweise alleine.
Gestern habe ich auch eine Party abgesagt bzw. bin einfach nicht erschienen, weil ich erneut feststellen musste, dass ich einfach nicht mehrere Tage hintereinander Leute treffen kann. Ich brauche dann Pausen. Gestern habe ich also nur mit der Frau an der Kasse des Supermarktes geredet (ca. drei Wörter) und mit Dario telefoniert, das hat dann auch gereicht. Ich schraube das aus Selbstschutz auch nächste Woche etwas runter, nehme ich an, letzte Woche war außer Montag jeden Tag was. Und gestern dann eben auch nicht. Heute aber wieder. Da muss ich später noch raus!
Dabei mag ich die Leute hier. Es ist wunderprächtig, dass ich hier so viele Leute kenne, die alle nett und offen und klug sind. Aber ich kann die eben nicht ständig sehen. Dass ist zu anstrengend für mich und dann kann ich nicht schreiben und dafür bin ich ja eigentlich hier.
So isses. Grüße aus meinem Zimmer, bitte redet nicht mit mir, danke.
J.