Die Wasserkochersituation überfordert mich vor allem am Morgen: Was trinke ich jetzt? Wie bereite ich es zu? Wie kann es so weitergehen? How could the capitalist’s dream fail me? Wie bin ich hier geendet? Warum ging der Wasserkocher nicht auf magische Weise einfach wieder? Ich habe es heute Morgen versucht und so getan als wäre nichts geschehen. Es hat nicht funktioniert. Not only did the capitalist’s dream fail me, science failed me too. Eine höhere Macht hat nicht über die Nacht einfach die Kontakte wieder repariert. Ich bin sehr enttäuscht.
Zu dem Trinken kommt dann noch das Essen. Grundbedürfnisse erfüllen ist um diese Uhrzeit sehr schwierig. Also auf einem hohen Niveau schwierig, das sehe ich selbst ein, denn ich war ja gestern einkaufen und da sind schon Sachen im Kühlschrank. Obwohl es meinen Joghurt nicht gab, das war sehr traurig, ansonsten müsste ich jetzt auch weniger nachdenken und müsste weniger darüber schreiben, dass ich ein hartes, hartes Leben habe.
Mein drittes Problem heute: Ich finde die Geschäfte in der Innenstadt machen zu spät auf, denn ich will drei Dinge besorgen, aber um halb elf muss ich hier losfahren und das wird sehr knapp, da die Geschäfte ja erst um zehn Uhr öffnen. Ist das nicht frech? Warum machen nicht heute alle ausnahmsweise um neun Uhr auf? Immerhin will ich die heute in ihrer Existenz unterstützen, damit sie ihren Traum weiterleben können! Gekaufte Träume sind sehr wichtig! Kaufrausch! Dafür muss alles getan werden!
Mein erstes Problem ist übrigens sehr einfach zu lösen: Wir haben überhaupt nicht so viele Getränkealternativen da, in diesem Haushalt gibt es quasi nie Saft, Kaffee trinke ich nicht. Das heißt, wenn ich mich nicht aufraffe Tee ohne Wasserkocher zu kochen, dann kann ich Kakao oder Wasser trinken. Cola ist vermutlich auch da. Ich trinke gleich ein Wässerchen.
Und dann esse ich vermutlich ein Brot. Das wird schön.
Und dann gehe ich in die Innenstadt, denn das eine Geschäft macht schon um halb zehn auf, das sollte ich dann alles schaffen und alle Probleme lösen sich in Wohlgefallen auf.
Ich merke aber auch wie die innere Motivation wieder schwindet und das hat mich der getöteten Freude zu tun und das ist kein kleines Problem. Es ist ein allumspannendes Problem, das sich nicht lösen lässt. Jedenfalls nicht so schnell wie die anderen geschilderten Probleme und es ist deprimierend und anstrengend und kräftezerrend und so unnötig und das ist es, was mich so wütend macht. Die Unnötigkeit. Und es wird sich nie ändern. Also werde ich eines Tages weg davon gehen müssen.
Wenn ich nicht bald mein Brot schmiere, komme ich nicht mehr rechtzeitig los. Oh jee. Heute gehe ich langärmelig, die armen geschundenen Arme mal aus der Sonne halten, die irgendwann gleich ja wieder scheinen wird. Ich mag Sommer. Ich mag Sommer auch lieber als Winter. Und Wintersport hasse ich.
Die Katze ist auf den Tisch gesprungen und sitzt nun da, die kleine Süße. Sie dreht mir den Rücken zu. Eigentlich sieht sie generell gerade so aus als würde sie ein bisschen rumschmollen, aber ich weiß auch nicht, wieso. Also bilde ich mir das wahrscheinlich auch nur ein und sie freut sich auch ein bisschen darüber, dass dieser Raum hier gerade halbwegs kühl ist. Sie will ja auch keinen Tee trinken, da hat sie Glück gehabt.
Ich muss jetzt aufstehen und das Brot holen! Los! Geht alle raus und verfallt dem Kaufrausch! Los! Trinkt Tee als gäbe es kein Morgen.