Guten Morgen! Ich grüße euch alle und vor allem mich selbst, denn ich schreibe ja für mich selbst, sehr herzlich aus der Schweiz. Ich habe Dario und mich hierhergefahren und nun sind wir hier und seitdem wir gestern Abend angekommen sind, waren wir noch nicht irgendwie irgendwo draußen, aber bald wird meine Mama kommen und dann werden wir Bern ansehen und es wird wunderschön werden. Jetzt hat sie angerufen. Die Leute reden sehr niedlich und bisher war alles super, aber wir sind ja auch noch nicht so lange hier und ich bin ehrlicher Weise auch einfach ganz froh, dass ich heute nicht mehrere Stunden auf der Autobahn verbringe. Das werde ich diese Woche ja eh noch an zwei Tagen machen, das reicht dann auch. In Fulda machten wir einen Zwischenstopp und sahen sehr wenig und wenig organisiert, aber es gefiel mir sehr gut, und dann war da eine sehr große Spinne in unserem Hotelzimmer, das war gruselig und ein bisschen auch wie Thailand, also mit Nostalgiefaktor, das schätze ich ja immer sehr. Gestern Abend habe zudem angefangen ein dünnes(!) Buch zu lesen: Die vier Jahreszeiten des Sommers. Ich weiß leider nicht mehr, aus welchen Gründen und aus welcher Quelle ich dieses Buch damals auf meine Leseliste gesetzt hatte, denn bisher, ich habe nur so zwanzig Seiten gelesen, ist es sehr schlecht geschrieben oder vielleicht auch nur sehr schlecht übersetzt, das kann ich nicht richtig beurteilen. Der Sprachrhythmus passt einfach nicht und es gibt zu viele Beschreibungen. Wenn Charaktere nur über Beschreibungen des Äußerlichen eingeführt werden, ist mir das immer ein bisschen zu billig und handwerklich nicht gut gemacht, das nervt mich dann. Beschreibungen der Äußerlichkeiten: Ich, sehr blond, sitze in einer schwarzen Jogginghose und einem blauen Kapuzenpullover auf einem Stuhl, meine Augen sehen nicht wie Smaragde aus und ich denke, das ist auch gut so. Mein Mund ist sehr angespannt. Das ist er immer. Und dann wundere ich mich, warum meine Kiefermuskeln so verkrampft sind. „Knirschen sie mit den Zähnen?“, werde ich dann gefragt, wenn ich mich in irgendwelche Behandlungen begebe. „Nein!“, sage ich und halte meine Muskeln emsig angespannt. Ich glaube, mein Unterkiefer würde einfach nach unten fallen, bis auf den Boden, wenn ich lockerlassen würde. Das wollen wir ja nicht. Also nicht, dass mein Kopf so weit vom Boden weg ist, bin ja nicht so riesig, aber ein Stück wäre es dann schon, da behalte ich meinen Unterkiefer lieber oben. Als ich hier in Bern den Raum betrat, roch es sehr heimatlich. Es sieht auch sehr heimatlich aus. Aber das Klo ist weit weg. In meiner Heimat ist das Klo nie weit weg, habe ja auch schon wieder Tee getrunken und einen Colakracher gegessen. Der kracht jetzt in meinem Mund rum, als Kind fand ich Colakracher sehr ekelig, aber heute geht’s. Aber nur die Brauen, die halt colafarbend sind, die anderen kann ich nicht in meinen Mund stecken, ich bin ja nicht gemeingefährlich geworden. Die Grünen sind ja gurkenfarbend und nur Verbrecher essen Gurken. Ich bin kein Verbrecher, ich bin Schwerkrimineller. Im generischen Maskulinum, den Verbrechen begehen ist eine zutiefst männliche Handlung. Dafür braucht man auch ein Wodkagesicht und dann kommt Tarzan, nein jetzt Tim, und haut einen kaputt, denn so sorgt man für Recht und Ordnung. Gewalt erzeugt Gegengewalt, aber da hat Tarzan, nein jetzt Tim, wohl im Unterricht gefehlt und mal wieder nicht genau aufgepasst, der ewige Acht- oder Neuntklässler, daran kann ich mich gerade nicht erinnern, aber ich weiß, dass es sehr genau benannt wird, in welcher Klasse sie sind. Die ollen Streber, die niemals ihren Schulabschluss schaffen. Gefangen in einer Zeitschleife, die Armen. Jetzt ist meine Mama da, deswegen kann ich nicht fertig schreiben.